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Czas Wielkanocy

Bild: Freepik
Drei Zeiten hat das Polnische. Sagt man.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag ist es wieder so weit: Wir stellen die Uhren um und drehen sie eine Stunde vor ⏰. Ab morgen gilt die czas letni🌞⌛- Sommerzeit .

Aus diesem Anlass sprechen wir heute über czas im Polnischen – also über „Zeit“ –, und auch über die czasy, also die Zeitformen. Und: Stimmt es wirklich, dass es im Polnischen nur drei davon gibt?

Ausdrücke, in denen czas vorkommt, gibt es im Polnischen unglaublich viele.

czasem, czasami, od czasu do czasu = manchmal, von Zeit zu Zeit

Nie mam czasu, mam mało czasu = Ich habe keine Zeit, ich habe wenig Zeit.

Diese Wendungen werden heute ständig benutzt. Man hat den Eindruck, dass der moderne Mensch weniger Zeit hat als früher – und trotzdem schafft er es irgendwie, in diese 24 Stunden gleich mehrere Staffeln seiner Lieblingsserie hineinzupressen. 🙂

Mam teraz fajny czas 🚀 = Ich habe gerade eine schöne Zeit.

Mam trudny czas = Ich habe eine schwere Zeit.

Czas na mnie = Es ist Zeit für mich / Ich muss los.

Kwestia czasu – eine Zeitfrage 

Będę na czas = Ich werde pünktlich sein.

Czas to pieniądz 💰= Zeit ist Geld. (Hier steht pieniądz ausnahmsweise im Singular; normalerweise benutzen wir pieniądze 🪙🪙, also den Plural.)

Czas mnie goni, czas nagli = Die Zeit drängt / Die Zeit sitzt mir im Nacken.

Ktoś idzie z duchem czasu 👻 = Jemand geht mit der Zeit

To jest na czasie = Das ist aktuell / Das ist gerade angesagt / Das ist zeitgemäß

robić coś na czas = etwas rechtzeitig machen / etwas pünktlich erledigen

najwyższy czas = höchste Zeit

wszystko w swoim czasie = alles zu seiner Zeit

z biegiem czasu = mit der Zeit / im Laufe der Zeit

czasy = die Zeiten, dawne czasy 👵 👑 – alte Zeiten

Takie czasy…= So sind eben die Zeiten …

Obyś żył w ciekawych czasach = Mögest du in interessanten Zeiten leben.

Czas nas uczy pogody = „Die Zeit lehrt uns Gelassenheit“ – ein Zitat aus einem bekannten Lied.

umowa na czas określony / nieokreślony = befristeter / unbefristeter Vertrag

czasowy – zeitlich, vorläufig

tymczasowy = vorübergehend, temporär

Die Zeitformen im Polnischen

Formal gibt es nur drei – przeszły, teraźniejszy, przyszły *, also Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Klingt großartig, oder? Endlich einmal etwas Einfacheres – nach diesem unglaublich komplizierten Substantiv, das sich je nach Fall wie ein Chamäleon 🦎 verändert, bekommt man nun eine Belohnung! Ihr hattet bestimmt schon Angst vor etwas Ähnlichem wie im Englischen mit 16 verschiedenen Zeiten oder vor einem Plusquamperfekt wie im Deutschen. Nein, nichts davon: drei 3️⃣, fertig.

Aber halt, halt – bedeutet das, dass wir im Polnischen all die feinen Bedeutungsunterschiede nicht ausdrücken können, für die die Engländer gleich 16 Zeitformen brauchen? Zum Beispiel, dass etwas vollständig abgeschlossen wurde (Perfekt), oder dass eine Handlung gerade andauert oder andauerte, als etwas anderes geschah (past continuous), oder dass eine Handlung stattfand, bevor eine andere geschah? Keine Sorge: Das alles kann man im Polnischen ausdrücken – nur eben auf andere Weise.

Perfekt gibt es im Polnischen nämlich durchaus. Nur haben wir dafür keine eigene Zeitform geschaffen. Stattdessen haben wir zu den meisten Verben ein zweites Verb hinzugefügt: ein dokonany, also ein vollendetes. Zwei Wörter, die oft fast gleich aussehen und sich nur durch eine Silbe oder manchmal sogar nur durch einen Buchstaben unterscheiden – so etwas wie Wort-Zwillinge 👯🏻, aber keine eineiigen, denn sie sind eben doch ein bisschen verschieden. Ein perfekter, Streber-Zwilling! Der hat alles schon erledigt.

Wenn er z.B. sagt: Posprzątałem pokój 🛋️, dann mit Betonung auf dem Ergebnis – er hat das Zimmer aufgeräumt. Nichts hat ihn unterbrochen, nichts hat seine Aufmerksamkeit abgelenkt. Anders als sein Bruder, der sprzątał i sprzątał, also am Aufräumen war, aber nicht fertig wurde. 

Wenn er sagt: Namalowalem obraz 🖼️, dann haben wir am Ende ein fertiges Bild vor uns. Namalować also – und nicht wie der unperfekte Bruder, der malował i malował, am Ende aber es ihm leider nicht gelungen ist, und am Schluss gar kein Ergebnis da ist.

Und so ist es bei fast jedem Verb. Ja, ja – ich höre schon eure Fragen: Natürlich nennt man die Tatsache, dass es diese zwei Formen gibt, den Aspekt des Verbs (aspekt dokonany oder niedokonany – also vollendet oder unvollendet).

Dieser polnische Präteritum-Aspekt lässt sich schön mit der Geschichte der Marienkirche (Kościół Mariacki) ⛪ in Krakau illustrieren. 

Die Geschichte geht so: Im Mittelalter beschloss man, an die Kirche zwei Türme anzubauen. Zwei Brüder 👷 👷🏽, beide Baumeister, übernahmen diese Aufgabe. Als der jüngere sah, dass er langsamer baute, erstach er aus Neid seinen Bruder mit einem Dolch. So war es also: Einer der Brüder baute (budował) den Turm bis zur entsprechenden Höhe – aspekt niedokonany –, der andere dagegen zbudował den Turm bis zur entsprechenden Höhe – aspekt dokonany.

Die Vergangenheitsform ist im Polnischen übrigens eine Schlüsselform, wenn man Aussagen macht oder Zeugnis ablegt 👨🏽‍⚖️ – deshalb muss sie sehr präzise sein. Und darum haben wir hier, anders als in der Gegenwart, auch eine genau markierte Form des grammatischen Geschlechts: byłem 👨‍🦰 oder byłam 👩‍🦰, byliśmy 👨‍🦰oder byłyśmy 👩‍🦰👩‍🦰.

Der Aspekt existiert – Achtung – nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch in der Zukunft 🔮. Wie kann etwas in der Zukunft vollendet sein, wenn diese Zukunft noch gar nicht eingetreten ist?🤔  Nun ja: Sprache ist keine Physik, in der etwas entweder ist oder nicht ist. Mit Sprache erschaffen wir uns unsere Wirklichkeit. Wenn ich sage: Jutro namaluję obraz, dann benutze ich das vollendete Verb, weil ich diesen Plan habe und den fertigen, vollendeten Zustand schon vor meinem inneren Auge sehe. Ich bin überzeugt, dass ich das schaffen werde.🖼️

Wenn ich aber eher entspannt bin und mich mehr auf den Prozess konzentriere, dann sage ich: Jutro będę malować obraz. Durch diesen Aspekt teile ich dir mit: Du kannst gern vorbeikommen, aber ich werde dann eben vor der Staffelei stehen, in mit Farbe bekleckerten Klamotten 👩🏻‍🎨.

Wir sollten aber daran denken, dass manche Verben Einzelgänger sind. Es gibt welche, die keine unvollendete Form haben, und andere, die keine vollendete Form haben. Von być gibt es zum Beispiel keine vollendete Form.

Dann gibt es noch eine Gruppe von czasowniki wielokrotne, also iterativen bzw. wiederholenden Verben. Wenn ich Polen regelmäßig besuche, dann sage ich: Często bywam w Polsce. Wenn man irgendwo oft ist, kann man zum bywalec werden – zu jemandem, der dort regelmäßig auftaucht.

Gut, aber die Reihenfolge von Handlungen in der Vergangenheit scheint doch ziemlich wichtig zu sein. Was zuerst geschah und was danach – das lässt sich mit dem Aspekt allein nicht ausdrücken. Das stimmt. Früher gab es im Polnischen tatsächlich ein Plusquamperfekt, und meine Großeltern 👵🏼 👴🏻 benutzten es manchmal. Auf mich wirkte das immer unglaublich geheimnisvoll, als hätten sie Zugang zu einer anderen Zeitschicht, zu fast schon legendären Ereignissen 🏰.

On poszedł był do …

Zrobiłam była …

Heute ist das praktisch verschwunden und lebt höchstens noch in der Literatur weiter. Die Reihenfolge von Ereignissen drücken wir heute einfach mit Wörtern aus wie: najpierw, zanim, później, potem usw.

Und zum Schluss: Es gibt außerdem noch so ein „gespieltes Perfekt“, das relativ neu ist und sich unter dem Einfluss des Englischen immer stärker verbreitet:

Mam to zrobione. Mam to przygotowane. Mam to ogarnięte. 

Also: Ich habe das gemacht. Ich habe das vorbereitet. Ich habe das im Griff. Und schon sind wir wieder in der Gegenwart. 🙂

⌛⌛⌛

Zeit existiert ohnehin nur theoretisch. In der Praxis ist es so, wie der heilige Augustinus schreibt:

Czymże jest czas? Jeśli nikt mnie o to nie pyta, wiem. Jeśli pytającemu usiłuję wytłumaczyć, nie wiem.” „Was also ist die Zeit? Wenn mich niemand danach fragt, weiß ich es. Wenn ich es aber einem Fragenden erklären will, weiß ich es nicht.“

Przeszłość, przyszłość – wie kann man sie unterscheiden?  Das -e kommt im Alphabet früher als das –y, genauso wie die przeszłość – die Vergangenheit – früher liegt als die przyszłość, die Zukunft.

Quelle: „Bezecnik gramatyki polskiej“ von Jacek Wasilewski

Alltag

Morgen ist Palmsonntag (Niedziela Palmowa), und damit fängt die Karwoche an – also Wielki Tydzień

Am Palmsonntag lassen viele Katholikinnen und Katholiken in Polen ihre kunstvoll gestalteten Palmen segnen. Früher nutzte man sie aber nicht nur im Gottesdienst: Mit ihnen wurden auch symbolisch die Hausbewohner berührt oder leicht geschlagen, um böse Geister zu vertreiben. Sogar die Weidenkätzchen aus der Palme galten als glücksbringend – wer sie schluckte, sollte Gesundheit und Wohlstand erhalten.

In der Karwoche wird geputzt, vorbereitet und oft auch gefastet. Am Karsamstag (wielka sobota) werden dann die pisanki bemalt – also die bunt verzierten Ostereier – und der Osterkorb (święconka) gepackt. In den Korb kommen traditionell unter anderem Eier, Wurst oder Schinken, Brot, Meerrettich, Butter und ein kleines Lamm – oft aus Zucker. Jedes dieser Lebensmittel hat seine eigene symbolische Bedeutung: Das Ei steht für neues Leben, das Fleisch für das Ende der Fastenzeit, der Meerrettich erinnert an das Leiden Christi.

Am Ostersonntag geht es für viele früh morgens in die Kirche. Danach trifft sich die Familie zum Osterfrühstück. Vor dem Essen teilt man das gesegnete Ei und wünscht sich „Wesołego Alleluja“.

Neben den oben genannten bekannten Ostertraditionen gibt es in Polen auch Bräuche, die heute überraschen, amüsieren oder befremden können.

Das „Begräbnis“ der Żur-Suppe

Żur war früher eine typische Fastensuppe, die während eines großen Teils der Fastenzeit ohne Fleisch gegessen wurde. Wenn die Zeit des Verzichts zu Ende ging, wurden in manchen Regionen die Töpfe mit Żur demonstrativ ausgeschüttet. Damit zeigte man die Freude darüber, dass die Feiertage endlich da waren und nun wieder reichhaltiger gegessen werden durfte.

Judas verbrennen, ertränken oder aufhängen

Dieser Brauch gilt als christliche Variante älterer heidnischer Rituale wie dem Verbrennen oder Ertränken der Marzanna. Früher stellte man eine Judas-Figur her, die aufgehängt, durch die Straßen gezogen und öffentlich misshandelt wurde. Der Brauch sollte den Verrat an Jesus symbolisch verurteilen. Gleichzeitig gehört dazu auch eine dunkle, belastende Geschichte: Mancherorts war dieses Ritual mit Gewalt gegen jüdische Menschen verbunden.

Gesicht waschen mit Eierwasser

Ein heute fast vergessener Brauch war besonders bei Frauen verbreitet: Man wusch sich das Gesicht mit dem Wasser, in dem zuvor die Eier für den Osterkorb gekocht worden waren. Man glaubte, das tue der Haut gut und könne sogar Sommersprossen verschwinden lassen.

Spiegel verhüllen

Während der Fastenzeit, besonders am Karfreitag, wurden mancherorts die Spiegel verhängt. Dahinter stand die Vorstellung, in dieser stillen Zeit auf Eitelkeit und äußeren Schein zu verzichten.

Feuer und Wasser segnen

Auch die Segnung von Feuer und Wasser am Karsamstag geht teilweise auf ältere, vorchristliche Vorstellungen zurück. Das geweihte Wasser sollte vor dem Bösen schützen, das gesegnete Feuer Sicherheit und Segen für Haus und Herd bringen.

Śmigus-Dyngus

Am Ostermontag wird es in Polen traditionell nass: Beim Śmigus-Dyngus bespritzt man sich gegenseitig mit Wasser. Heute ist das meist ein spielerischer Osterbrauch, früher hatte er aber mehrere Bedeutungen. Wasser galt als Symbol der Reinigung, des Neubeginns und des Schutzes vor Krankheiten und bösen Kräften. In manchen Regionen war das Begießen auch Teil eines Flirt-Rituals.

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